Das Alltägliche nicht vergessen

Das Alltägliche nicht vergessen, sondern wertschätzen lernen

Ganz Deutschland befindet sich gerade im Homeoffice. Was fehlt und was geht? Im Gespräch mit Wellness-Coach Yeşim Çalışkan.

Yeşim, du bist Wellness-Coach aus Berlin. Was hat sich für dich mit dem Corona-Virus verändert, wie sieht dein Alltag seit dem Shutdown aus?

Da ich für mein Coaching neben den persönlichen Beratungen auch das Internet benutze, wie Whatsapp, Skype oder auch das Telefon, kann ich, im Gegensatz zu anderen, den Großteil meiner Tätigkeit als Coach derzeit trotzdem weiterführen. Worauf ich allerdings, wie alle, aktuell leider verzichten muss, ist der persönliche Kontakt zu meinen Kunden. 
Normalerweise beinhaltet das Coaching regelmäßige persönliche Treffen, die zum Beispiel eine Gewichtskontrolle auf einer professionellen Wellnesswaage, Sport-und Trainingsaktivitäten beinhalten oder aber auf persönlichen Gesprächen des Austausches beruhen. Das entfällt ja derzeit leider. Daher sind nun die Online- und Videogespräche besonders wichtig, also habe ich diese intensiviert und auch von der Anzahl an etwas angepasst. Nur so kann ich den nahen Kontakt und das Vertrauensverhältnis aufrechterhalten.

Mit welchen größeren Veränderungen oder Problemen hast du gerade zu kämpfen?

Wie schon erwähnt, fehlt mir etwas der persönliche Kontakt. Zu meinen Kunden und auch der persönliche Kontakt zu meinen Kollegen. Ich arbeite in einer sogenannten Coach-Gemeinschaft. (Yeşim lächelt.. Anmerk. der Redaktion) Gemeinsam mit ein paar Kollegen, besitzen wir ein gemeinsames Büro in Berlin-Wilmersdorf. Auch wenn jeder für sich arbeitet, haben wir gemeinsame wöchentliche Meetings, bei denen wir uns über unsere Arbeit austauschen und gemeinsam Weiterbildungsseminare und Akademien abhalten. Dieser Austausch fehlt mir etwas. Aber ein größeres Problem ist es nicht wirklich, denn auch hier gehen wir gemeinsam den digitalen Weg und verbinden uns nun online und halten unsere Akademien über ein gesondertes Online-System.   
Ein Online-Date jedoch mit meiner Familie und Freunden ist besonders schwer. Das gemeinsame Lachen, umarmen, einfach das beieinander sein, ist leider mit gar nichts auszugleichen.

Wie bist du zu deiner Tätigkeit als Coach gekommen und wie lange übst du sie schon aus?

Eigentlich hat die Tätigkeit mich gefunden. (Yeşim lacht…Anmerk. der Redaktion). Vor ein paar Jahren hatte ich eine Freundin, welche mit Gewichtsproblemen kämpfte und aus gesundheitlichen Gründen abnehmen musste. Sie suchte sich Hilfe bei einem Coach und dieser half ihr, ihre Ernährung umzustellen. Bei einem der ersten Gespräche begleitete ich sie. Ich selbst hatte nie Gewichtsprobleme, aber ich fand das Gespräch sehr interessant und toll und habe sie in ihrem Prozess unterstützt. 
Wir sprechen ja hier nicht nur von einem Diätprogramm. Es geht um eine ausgewogene gesunde Ernährung im Alltag und um Aktivitäten wie Sport und Bewegung in Verbindung. Die Idee des Programmes hat mich sehr so überzeugt, dass ich es dann selber für einen Monat in Anspruch nahm. Das hat alles irgendwie komplett umgekrempelt, mein Leben fand einen total neuen Rhythmus. Ich lebe nun gesünder, bewusster und bin ausgeglichener. Das wollte ich gerne weitergeben und habe mich vor einem Jahr dann dazu entschieden, andere Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung zu unterstützen. Seitdem übe ich die Tätigkeit hauptberuflich aus.

Für wen sind deine Coaching-Programme geeignet?

In unseren Programmen geht es um Ernährungsumstellung, eine gesunde Gewichtsreduktion und um eine Betreuung innerhalb einer ausgewogenen Health – Activ – Life Balance. Die Programme sind also für jeden geeignet. Für Frauen, für Männer oder auch Familien.

In welchen Sprachen gibst du das Coaching?

Da ich Deutsch, Türkisch und Englisch spreche, kann ich mich individuell auf meine Kundinnen und Kunden einstellen. Derzeit berate ich überwiegend Deutsche und Türken.

Wenn du innerhalb unterschiedlicher Sprachen und Kulturen arbeitest, bemerkst du da Unterschiede innerhalb des Coachings?  

Nein, eigentlich gibt es keine Unterschiede. Außer beim Essen der Teilnehmer vielleicht. (Yeşim lacht… Anmerk. der Redaktion) Aber letztendlich haben wir alle, egal ob Mann oder Frau mit ähnlichen Problematiken zu kämpfen. In Deutschland geboren, aber aus einer Familie mit türkischen Wurzeln stammend, lebe ich täglich innerhalb beider Kulturen, daher kann ich mich vielleicht auch schneller als andere in mein Gegenüber einfühlen. Ich mag diesen ständigen Wechsel der Sprachen und der Kulturen. Es ist ein Teil von mir.

Was glaubst du, wirst du persönlich aus dieser schwierigen Zeit für die Zukunft mitnehmen? 

Ich habe festgestellt, wie gut es mir und uns allen doch geht. Ich lebe in einer Großstadt wie Berlin, viel zu bequem, alles was ich brauche ist fast vor meiner Haustür. Unzählige Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie wohin das Auge reicht, tägliche abwechslungsreiche Kulturangebote, bequeme öffentliche Verkehrsverbindungen, all das ist Normalität geworden. Die Einschränkungen, die wir gerade alle erleben müssen, haben dies sehr deutlich gemacht. 
Der Abstand, den jetzt alle zu einander einnehmen mussten, ist schon eine enorme Herausforderung. Der persönliche Kontakt zu den Kunden, den Kollegen, den Freunden und vor allem meiner Familie und meinen Liebsten…

Es ist einfach so wichtig, dass wir all dieses Alltägliche nicht vergessen, sondern wertschätzen lernen.

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