„Starke Worte. Schöne Orte.“

Festival LIT: potsdam zieht positive Bilanz

„Starke Worte. Schöne Orte.“

Mit dem Auftritt von Durs Grünbein und Ingo Schulze, moderiert durch Thomas Böhm, ging am letzten Sonntagabend das achte Festival LIT:potsdam zu Ende. 

Ingesamt traten beim Literaturfestival in Potsdam vom 04. bis 09. August über 35 Autorinnen und Autoren auf. Sie stellten ihre neuen Bücher vor, diskutierten über aktuelle gesellschaftliche und politische Themen und kamen mit den Zuschauern bei Signierstunden ins Gespräch. Die Corona-Pandemie hatte persönliche Begegnungen mit Autorinnen und Autoren zuvor lange Zeit unmöglich gemacht, daher waren bei LIT:potsdam die meisten der rund 30 Veranstaltungen schnell ausverkauft. Unter Beachtung der nötigen Hygienevorschriften konnten insgesamt rund 2.000 Besucherinnen und Besucher erstmals wieder ‚lebendige Literatur‘ erleben.

Ein Höhepunkt des Festivals war die Foto-Ausstellung des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk. Zur Eröffnung stellte Joachim Sartorius Pamuk als Fotografen und Schriftsteller vor. Er zeichnete ihn als leidenschaftlichen Archivar, der die Seele der Stadt beschreiben will. In seinen Fotos dränge sich das Wiederkehrende auf, es seien Wieder-holungen, die die Vielfalt der Welt erschaffen und zu genauem Hinsehen auffordern: Pamuk möchte mit dem orangenen Licht der alten Gaslaternen die Stimmung seiner Jugend festhalten und das Istanbul dokumentieren, das zu entschwinden drohe.

Ein anderes Highlight, war die Lesung und das Gespräch Peter Sloterdijk mit Kübra Gümüşay.  Eindrücklich wurde hier referiert, wie Sprache unsere Wahrnehmung verändert, die Welt eingrenzt und zugleich öffnet. Welche Sicht auf die Welt wird anerzogen? Wie gehen wir mit der Macht und mit der Verantwortung der Sprache um? Dazu durchleuchtete Gümüşay die Architektur der Sprache und untersuchte, was wir sehen, wenn Sprache nicht mehr ‚funktioniert‘, es für Misshandlungen keine Begriffe gibt.

Kübra Gümüşay plädierte für neue Räume des Gesprächs, für das Zögern und den Zweifel. Es gehe darum, „wirkliche Dialoge“ zu führen, in denen alle Beteiligten auf ihren Absolutheitsanspruch verzichten und Kategorien nicht zu „Käfigen“ werden. Peter Sloterdijk nahm die Bedeutung des Zögerns auf, indem er dies als entscheidendes Moment der Religion vorstellte, die die Grenzen der Sprache besonders deutlich offenbare.

Dennoch versuchten Menschen immer wieder das Unsichtbare zur Offenbarung, „den Himmel zum Sprechen zu bringen“. Dazu gehöre vor allem die Sprachmelodie. Sprache sei eine „große Festveranstaltung“ und löse „Epidemien des Mehrsagenkönnens“ aus. Frei sei Religion aber erst dann, wenn der Faden der Sprache gerissen sei, sie bloß die Funktion hat, funktionslos zu sein.

Ein Vielfaches an Interessenten wird dem Festival als LIT:podcast folgen können: Ab September erscheinen nach und nach Podcasts, die bei den bekannten Streamingdiensten und auf der Website des Veranstalters zur Verfügung stehen.     

(Quelle; PM – LIT:potsdam)

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