Pflege zu Zeiten von Corona

Ehrliche Dankbarkeit zu erfahren ist das Größte

Pflege zu Zeiten von Corona

Ambulante Pflege, Tagespflege und Demenz-Wohngemeinschaften, die Aycapima Pflege & Sozialstation hatte sich in den vergangenen Jahren breit aufstellen können. Rund 370 Patienten werden mittlerweile von den 52 geschulten Mitarbeiterinnen der Sozialstation in Berlin-Mariendorf betreut.

In normalen Zeiten. Doch derzeit ist leider nichts normal.

Denn aufgrund der Corona-Pandemie sind deutschlandweit alle Einrichtungen der Tagespflegen geschlossen. So auch die Einrichtung der Tagespflege der Aycapima Sozialstation in Berlin-Mariendorf. Wo sonst 30 Patienten jeden Alters und jeder Nationalität täglich die Sprach-, Sport-, Tanz- und andere Geschicklichkeitstherapien der Tagespflege in Anspruch nehmen, liegen derzeit die Räumlichkeiten leer und verlassen. Keine deutsch-türkischen Kochkurse, kein orientalisches Musikinstrument hallt mehr durch die Räume. Die Fahrzeuge, die sonst für Ausflüge genutzt werden, stehen verlassen auf dem Hof. 

Dabei wuchs die Sozialstation Aycapima, im Jahr 2014 von Aytac Güzelarslan, seiner Frau Cansu Güzelarslan und zwei weiteren Kollegen ins Leben gerufen, zuvor rasend schnell. Die Nachfrage auf Unterstützung, Hilfeleistungen und ein paar wenig fröhliche Stunden zurück im sozialen Leben war einfach zu groß. Ein weiteres Gebäude zur Tagespflege sollte eigentlich noch im kommenden Juni folgen, die Vorbereitungen zur Eröffnung laufen bereits. 

Wie es nun weiter geht ist bislang noch nicht abzusehen.

Doch auch wenn die Aycapima Sozialstation für einen Teil der Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen musste, Zeit, um den Kopf in den Sand zu stecken, bleibt für die Mitarbeiter der Sozialstation nicht. „Unsere Patienten brauchen uns weiterhin, wir sind jederzeit für sie da.“ so Aytac Güzelarslan. „Wir haben ein Notruftelefon eingerichtet, welches 24 Stunden am Tag besetzt ist. Viele unserer Patienten leiden unter akuten Schmerzsyndromen. Sie kontaktieren uns regelmäßig, manchmal aber auch nur um jemanden zum Reden zu finden. Ansonsten geben wir viele kleine Hilfestellungen für den Alltag oder nehmen Bestellungen für Einkäufe oder Medikamente entgegen, die wir dann unseren Patienten nach Hause bringen. An solchen Beispielen sieht man wie schnell etwas weg brechen kann und wie wertvoll unsere Arbeit für jeden einzelnen Patienten von uns ist“. 

Die Arbeit der ambulanten Pflege der Aycapima Sozialstation besteht unterdessen weiter. Allerdings sei die Angst der ambulanten Patienten sehr groß, erzählt Aytac Güzelarslan. „Viele Patienten haben große Angst vor Ansteckungen. Sie haben Angst das unsere Mitarbeiter den Virus zu Ihnen nach Hause mitbringen.“ Das sei auch der wichtigste Grund, warum ein Rückgang der Nachfrage der ambulanten Pflege zu erkennen sei. 

Meine Frage, was ihn persönlich an der Corona-Pandemie getroffen hat, beantwortet Aytac Güzelarslan nachdenklich. „Die Angst der Patienten, allein gelassen zu werden hat mich manchmal schon sehr mitgenommen. Aber dann die ehrliche Dankbarkeit, das Glück und die Freude in ihren Augen zu sehen, wenn sie sehen, dass wir jederzeit für sie da sind. Das wiederum ist unbezahlbar. “

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