Geschichte(n) bekommt Gesichter

Geschichte(n) bekommt Gesichter

Bild © Dr. Sun-Ju Choi

BPoC Schüler*innen der Berlin-Neuköllner Walter-Gropius-Schule nehmen sich Beispiel am Autor*innenkollektiv Daughters & Sons of Gastarbeiters von Ferda Ataman & Dr. Çiçek Bacık und laden zum gleichnamigen WebTalk

Geschichte(n) bekommt Gesichter

Gute Erzählungen und Geschichten finden sich es überall. Ob nun in Zeitschriften, Büchern, im Netz oder im Fernsehen, meistens überfliegen oder betrachten wir sie nur kurz, amüsieren oder trauern kurzweilig und vergessen sie im Nu wieder. Doch was ist mit unseren eigenen Geschichten?

Nein, gemeint sind nicht die von uns geträumten, sondern die eigenen erlebten Geschichten. Habt ihr Eure vergessen? Ich bin ganz sicher, das habt ihr nicht.Selbst wenn mit der Zeit einige Sequenzen aus unseren Erinnerungen leicht verschwinden, sind sie doch ständig in uns und gegenwärtig. Denn es sind unsere erlebten Geschichten, die uns prägen und uns genau zu dem Menschen gemacht haben, der wir heute sind. 

Und hier liegt der Hase auch begraben. Denn auch unsere Vorfahren, Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn und Bekannte, alle haben ihre eigenen Geschichten. Wenn wir uns gelegentlich mehr Zeit nehmen und diese kennenlernen würden, wäre die Möglichkeit geschaffen, mehr Empathie und Verständnis für unser selbst, für Andere und für ein besseres Miteinander zu entwickeln.

Auch BPoC Schüler*innen der Berlin-Neuköllner Walter-Gropius-Schule haben das gut erkannt und daher bereits im letzten Jahr eine Web-TalkReihe zur intersektionalen Geschichte der Gastarbeiter*innen ins Leben gerufen. Sie möchten sich dabei 60 Jahre nach dem Anwerbeabkommen mit der Türkei mit der Geschichte der Gastarbeiter*innen auseinandersetzen, die für viele von ihnen auch Familiengeschichte ist. So werden regelmäßig interessante Gäste eingeladen, die Geschichte(n) erzählen, die im Schulunterricht meist unerwähnt bleiben.

Ausgangspunkt dieser Spurensuche sind Geschichte und Lebensrealitäten der zweiten Generation in Ost und West. Anhand der Geschichte(n) ihrer Gäste wollen die Schüler*innen die unsichtbare Geschichte der Gastarbeiter*innen intersektional erkunden und ihre eigene Geschichte besser verstehen lernen. Denn spätestens in der zweiten Generation ist diese Geschichte auch Bewegungsgeschichte, queere und feministische Geschichte. Sie ist Arbeiter*innen- und Aufstiegsgeschichte. Geschichte der asiatischen und afrikanischen Diaspora, Geschichte der Rom*nja in Deutschland. Sie erzählt von Mölln, Solingen, dem NSU und Hanau – von Rassismus und Klassismus und von erkämpfter Teilhabe. Es sind nicht zuletzt auch witzige und empowernde Geschichten, die von Resilienz, Kreativität und Freundschaft erzählen und solidarische Räume der „Gegenwartsbewältigung“ (Max Czollek) eröffnen.

Der Titel der WebTalk Veranstaltungsreihe der BPoC Schüler*innen der Berlin-Neuköllner Walter-Gropius-Schule geht auf das gleichnamige Autor*innenkollektiv Daughters & Sons of Gastarbeiters zurück, das 2015 von Ferda Ataman und Dr. Çiçek Bacık gegründet wurde.

Es sammelt Erzählungen aus der zweiten Generation, die sonst in der deutschen Erinnerungskultur fehlen.

Der nächste WebTalk BPoC Schüler*innen der Berlin-Neuköllner Walter-Gropius-Schule zur intersektionalen Geschichte der Gastarbeiter*innen findet    

am 29.01.2021 
    um 14.00 Uhr – 15:00
mit Dr. Sun-Ju Choi
über Zoom statt. 

Moderatoren der Veranstaltung sind Duygu Gamze Piskin und Franziska Rien.

Anmeldung zum Webtalk
https://bit.ly/2XcY4rZ

Meeting-ID: 965 5792 9306

Kenncode: TRg7v2

Die Teilnahme ist für jedermann von jedem Ort möglich und ist kostenfrei. 

Gast des morgen Webtalks ist Dr. Sun-Ju Choi, der Autorin, Drehbuchlektorin und Filmemacherin. Sie studierte Literaturwissenschaft an der Universität Köln und Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Ihre Dissertation Vater Staat und Mutter Partei untersucht nordkoreanische Filme. Dr. Sun-Ju Choi ist Mitbegründerin und Vorstandsvorsitzende von korientation e.V. Der Verein ist eine (post)migrantische Selbstorganisation und ein Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven mit einem gesellschaftskritischen Blick auf Kultur, Medien und Politik. Dr. Sun-Ju Choi ist Mitbegründerin, Kuratorin und Co-Leiterin des Asian Film Festival Berlin.

Quelle: PM  Goran Subotic & Peggy Piesche, Referentin für Diversität, Intersektionalität und Dekolonialität bei der Bundeszentrale für politische Bildung, Berlin

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