Projekt Wunschbaum

Projekt Dilek Ağacı – Wunschbaum

Projekt Dilek Ağacı – Wunschbaum

Vom Buchautor zum Kreativkünstler

Abdulvahap Cilhüseyin ist stets in Aktion. So schrieb er (wie fast) nebenbei sein allererstes Buch über seine Großmutter Saliha (Eine türkische Geschichte), liest bei Lesungen in ganz Deutschland daraus vor und leitet die interkulturelle Theatergruppe „Rüya“.  Der Familienvater hat aber auch noch eine andere Leidenschaft. Er entwirft und kreiert kleine Bäume in feinster Handarbeit. Woher diese Idee kam, erzählt er uns im Interview.

Lieber Abdul, du arbeitest in deiner Freizeit mit akribischer Handarbeit und zauberst dabei kleine Bäume aus Draht. Woher kam die Idee dazu?

Abdulvahap Cilhüseyin
Abdulvahap Cilhüseyin

Bäume waren für mich schon immer etwas besonderes. Als kleiner Junge ging meine Großmutter sehr oft mit mir spazieren, zwischendurch setzten wir uns dann oft zum Ausruhen unter einen Baum. Meine Großmutter liebte jede Art von Bäumen, Lindenbäume aber hatte sie am liebsten. 

Ich fand das anfangs etwas merkwürdig mich unter einen Baum zu setzen und nicht auf die ein paar Meter entfernte Bank, aber irgendwann wurde es zur Gewohnheit. Nachdem meine Oma verstorben war, besuchte ich die gemeinsam besuchten Plätze oft alleine, denn sie erinnerten mich an sie. Diese Erinnerung begleitet mich bis heute. 

Mit 12 Jahren sah ich kleine Bäumchen liebevoll gebastelt als Schmuck. Ich wollte das auch machen. Meine Mutter besaß Perlen, die sie benutzte, um diese in Spitze an ihren Kopftüchern mit einzuhäkeln. Ich nahm die Perlen, kaufte mir Draht dazu und versuchte mich selbst an solchen kleinen Bäumchen. 

Ich nahm die Perlen, kaufte mir Draht dazu und versuchte mich selbst an solchen kleinen Bäumchen. Ich schien ein Händchen dafür zu haben, in kurzer Zeit entstanden die unterschiedlichsten Motive dazu. Stolz stellte ich diese wenig später auf einem Flohmarkt aus und es dauerte keine halbe Stunde, da waren alle Bäumchen verkauft. 

rgendwann verlor ich dieses Hobby aus den Augen. Doch mit dem Lockdown der Corona Pandemie im Frühjahr diesen Jahres, habe ich diese Leidenschaft für mich wiederentdeckt. Es gab ein paar Menschen in meinem näheren Umfeld, denen es in dieser Zeit nicht besonders gut ging. So beschloß ich, ihnen ein kleines Lächeln und etwas Hoffnung zu schenken und gestaltete ihnen einen „Wunschbaum“.  Seit dem bin ich wieder mitten im Kreieren. 

Was gefällt dir selbst an dieser Tätigkeit am meisten?

Für mich ist es ein toller Ausgleich. Gerade jetzt, wo wir nicht mit der Theatergruppe proben oder auftreten können und auch die Lesungen die geplant waren, nicht stattfinden können. Es ist eine schöne beruhigende Tätigkeit für mich und es entsteht etwas Bleibendes für andere. 
Jeder Baum der entsteht ist ein Unikat. Sie sehen sich oft ähnlich, aber jeder Baum ist anders und individuell. Ich arbeite in absoluter Ruhe, gehe komplett darin auf auf und vergesse dabei total mein Umfeld. So entsteht jedesmal ein kleines Unikat an Glück. Ein tolles Gefühl. 

Welche Botschaft möchtest du mit den Bäumchen vermitteln und weiter geben?

Für mich ist ein Baum das Symbol für Leben, Gesundheit und Liebe. Dies möchte ich weitergeben.

Gleichzeitig erinnere ich mit meinen Bäumen auch an einen alten türkischen Brauch und an eine sehr bekannte Tradition. Dieser Brauch kommt aus Anatolien. 

In den meisten Dörfern gab es damals den sogenannten „Dilek Ağacı“. Übersetzt bedeutet das „Wunschbaum“„Der Wunschbaum“ war ein ganz besonderer Baum. Frauen und Kinder schrieben früher ihre Wünsche auf Zettel oder Stoffe und hängten diese dann an die Äste des Baumes, in dem Glauben, dass diese damit in Erfüllung gehen.  

Auch meine Bäumchen, ganz gleich ob wesentlich kleiner, sind kleine Wunschbäumchen, die den Menschen Hoffnung, Leben und etwas Herzenswärme vermitteln sollen. 

Wie stehst du selbst zu „älteren“ Bräuchen?

Ich finde Bräuche und Traditionen sehr wichtig. Sie geben einem das Gefühl nicht allein zu sein. Durch sie erfahren wir, woher wir stammen und erinnern uns dabei an uns selber, an unsere Familie, an unseren Glauben und an unsere eigene innere Kraft. Erinnerungen und das Anerkennen von Bräuchen zeigt von großem Respekt, welcher gerade in der türkischen Kultur sehr verankert ist. 

Das Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende zu. Hast du für das kommende Jahr einen oder mehrere Wünsche, die du an deinen „Wunschbaum – Dilek Ağacı“ richten möchtest?

Auf meinem Zettel am Wunschbaum steht der Wunsch nach Gesundheit für alle. 

Außerdem  wünsche ich uns allen Hoffnung, Freude, viele herzliche Umarmungen und wieder die Möglichkeit des schnellen Zusammenfindens, gerade nach diesem Jahr. Ich wünsche uns allen mehr Mitgefühl und Herzenswärme zurück in den Vordergrund unseres Lebens. Wir alle haben erfahren, wie unbeständig und unberechenbar das Leben sein kann und wie schnell es sich verändern oder auch enden kann. Wir sollten uns die Hände reichen um ein friedliches Miteinander zu ermöglichen. 

Wer sich einen eigenen Wunschbaum wünscht oder auch einen verschenken möchte, findet diese in unserem Kunst & Kultur Shop.

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