7 Fragen im Interview an Buchautorin Büke Schwarz

Interview mit Büke Schwarz

Illustratorin & Buchautorin Büke Schwarz, Bild © SanatSever, Franziska Sevik

Die Berliner Künstlerin & Autorin spricht über ihr Graphic Novel-Debüt „Jein“

7 Fragen im Interview an Büke Schwarz

Im vergangenen Februar erschien das Graphic Novell-Debüt „Jeinder Künstlerin Büke Schwarz im Berliner Jaja Verlag.  Vor dem Hintergrund der eigenen türkischen Wurzeln, beschäftigt sich die Künstlerin behutsam mit den ambivalenten Zusammenhängen innerhalb von Kultur, Identität, Kunst und Politik.

So erhalten wir mit „Jein“ einen Einblick in die Welt der Protagonistin Elâ Wolf und begleiten sie durch eine bewegende Phase im Jahr 2017. Diese ist Künstlerin, lebt in Berlin und ist Halbtürkin. Als im April 2017 die Türkei für die Verfassungsreform stimmt, welche Präsident Erdoğan weitreichend mehr Macht bescherte, kommt die Frage auf, ob und wie weit man als Künstler/in Position beziehen sollte.  Die Antwort darauf kommt ehrlich, sehr unterhaltsam, emotional und regt zum Nachdenken an. 

Cover des Buches "Jein" von Büke Schwarz
„Jein“ – Graphic Novel von Büke Schwarz, Bild © JaJa Verlag, Büke Schwarz

Ich habe Büke Schwarz getroffen und ihr 7 Fragen zur ihrer Arbeit gestellt.

Büke, du bist Künstlerin der Malerei und Grafik. „Jein“ ist dein Graphic-Novel-Debüt. Warum eine Graphic Novel und nicht eine Ausstellung zum Thema?

Im Gegensatz zu Bildern an der Wand, besitzen Graphic Novels und Comics noch einmal eine zusätzliche Ebene. In einer Graphic Novel gibt  es eine vorgegebene Seiten-Architektur, die den Betrachter oder den Leser durch die Geschichte führen. Eine Ausstellung bietet das in diesem Rahmen nicht. Eine Ausstellung ist oft ein offener Raum, in dem der Besucher an welcher Stelle er auch immer möchte, seine Betrachtung beginnt. Es gibt keinen wirklichen Anfang und kein Ende. 

Bei einer Graphic Novel oder Comic finde ich es ziemlich spannend, was die Symbiose bei Text und Bild schaffen kann. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit in einem Text etwas ganz anderes zu erzählen, als wie in dem Bild. Man kann Akzente setzen. Zum Beispiel, indem man bewusst die Textebene weglässt und das Bild sprechen lässt. Gerade dieses Zusammenspiel zwischen den Bereichen hatte es mir angetan und deshalb musste es einfach ein Graphic Novel werden und nichts anderes.

Erzähl mir etwas über den Prozess. Was war zuerst für dich vorhanden? Die Idee der Geschichte, die Texte oder die Bilder im Kopf?

Eigentlich habe ich schon von Anfang an gewusst, wo ich hinwollte. Aber es war jetzt nicht so, dass der Text von Anfang an existierte und ich mich dann eines Tages nur hingesetzt habe und alles runtergezeichnet habe. Oder umgekehrt. So funktioniert das leider nicht.  Ich habe für mich die Geschichte grob entworfen und dann strukturiert. Während des Arbeitsprozesses dann, sind Elemente hinzugekommen oder wurden entfernt. Nachdem die Struktur im Groben vorhanden war, arbeitete ich an den einzelnen Kapiteln. Als feststand, was ich in diesem einen Kapitel preisgeben möchte, habe ich die Dialoge dazu geschrieben. Im Grunde ist es, als schreibe man ein Drehbuch. 

Nicht in geschriebener Sprache zu schreiben, ist manchmal etwas schwierig. Die Dialoge entstehen wie einem Gespräch. Dazu versetze ich mich in die einzelnen Charaktere, um erfahren zu können, wie sie im Einzelnen sprechen (würden). Dies geschieht gleichzeitig mit Skizzen, damit ich erkennen kann, wie viele Bilder ich benötige. Das Ganze ist ein Zusammenspiel, so wie ein Ping-Pong-Spiel.  Funktioniert es? … Mm.. Brauche ich vielleicht noch Bilder ?… Macht die Szene überhaupt einen Sinn?  Es ist ein Ausprobieren bis es passt. 

Wie lange arbeitet man dann an so einer graphischen Szene?

Viele Comickünstler lassen verlauten, dass sie ungefähr einen Tag an einer Seite arbeiten. Ich habe allerdings mit meiner Arbeit im Rahmen meiner Masterarbeit begonnen und hatte somit ein viel strafferes Zeitpensum, für all das was ich schaffen musste. (Büke lächelt dabei, Anmerkung)  Manchmal, wenn ich im Flow war, habe ich 9 oder 10 Seiten erarbeitet. Das war schon ziemlich straff.  Aber „Jein“ ist auch eine schwarz-weiß Graphic Novel. Wenn ich jede Seite koloriert und in Farbe versetzt hätte, hätte das deutlich länger gedauert.

Die Protagonistin Elâ Wolf, weist einige Parallelen zu dir auf. Wieviel Elâ Wolf steckt nun wirklich in Büke?

Also, vom Aussehen her, würde ich sagen… super viel.. (Büke lacht, Anmerkung der Redaktion) Vom Charakter her allerdings, sind wir uns nicht sehr ähnlich. Im Gegensatz zu mir, ist sie sehr nachdenklich, zweifelt viel und ist etwas ängstlich. Klar, wir haben einen ähnlichen Beruf. Aber unsere familiären Strukturen sind dann wieder verschieden. Sie besitzt einen leiblichen türkischen Vater, mit dem sie einige Problematiken durchlebt. Das ist bei mir nicht der Fall. Auch unsere Geschwisterkonstellation ist anders. Mein Vater ist Deutscher, meine Mutter Türkin und ich habe zwei Schwestern. 

Ich habe Elâ Wolf erschaffen, man kann fast sagen, so wie ein Alter Ego. Elâ wurde instruiert aus Gedanken, gewonnenen Eindrücken von Interviews und Gesprächen mit Deutsch-Türken, die ich geführt, gelesen oder auch gesehen habe. Ähnlich ist dies auch mit allen anderen Charakteren gewesen. Im Endeffekt sind es Symbiosen oder Mischungen aus diversen Personage, welche ich irgendwie interessant fand. 

Welche Szene oder welches Kapitel hat dich am meisten gefordert und liegt dir vielleicht gerade deshalb auch sehr am Herzen? 

Die Frage kann ich pauschal so nicht beantworten, denn ich kann das nicht auf ein Kapitel herunter brechen. Es waren eher all die Szenen, in denen ich beide Sprachen, so wohl Deutsch als auch Türkisch, zusammenbrachte. Die Frage, „Wie kann ich Übersetzungen, sowohl auf der Soundebene als auch in der geschriebenen Sprache, so verständlich machen, dass ich jeden Leser oder Betrachter erreiche und abhole?“, war eine meiner größten Herausforderungen. Dieses emotionale Feeling, welches die Türken oftmals haben, galt es zu transportieren, zu denen, die dies so nicht kennen oder damit aufgewachsen sind.  Das war eine wirkliche Herausforderung und deshalb sind mir diese Szenen auch so wichtig, nicht zuletzt, weil ich selber auch so viel damit verbinde. 

Szenenauszug aus dem Buch "Jein" von Büke Schwarz
„Jein“ – Szenenauszug, Bild © JaJa Verlag, Büke Schwarz

Wie haben deine Freunde, Bekannte und Familie auf die Veröffentlichung der Graphic Novel reagiert? Wie waren Ihre Reaktionen?

Generell habe ich sehr viel positives Feedback erhalten. Meine Mutter war in den Prozess einbezogen, ich habe viel mit ihr gesprochen und sie zu dem ein oder anderen Detail befragt. Ich glaube, dass sie es ganz gut findet. (Büke lächelt, Anmerkung) 

Auch meine Freunde waren begeistert. Ab dem Moment, als es in den Läden zum Verkauf stand, bekam ich oft Bilder mit Nachrichten wie „Kuck mal hier… hier ist dein Buch“. (Büke lacht laut auf, Anmerkung der Redaktion). Das ist natürlich toll.  

Nach dem Release habe ich auch von vielen Deutsch-Türken oder denen, die sich mit der Thematik des Graphik Novell auseinandersetzen, sehr viel positives Feedback erhalten. 

Einige Fragen zu Handlungen mit und um Elâ sind offengeblieben. Wie geht es nun mit Elâ Wolf weiter? Wird es eine Fortsetzung geben?

Das haben mich tatsächlich schon superviele Menschen gefragt. (lacht, Anmerkung der Redaktion ) Ich möchte gerne weiter an Grahic Novels und Comics arbeiten. Lieber aber gerne erst einmal mit einer anderen Geschichte.  Natürlich birgt die Geschichte um Elâ durchaus Potential, aber ob es später mal tatsächlich eine Fortsetzung geben wird, kann ich noch nicht sagen, würde mir diese Antwort aber gerne offenlassen. Ich weiß noch nicht, ob mein zweites Buch auch der zweite Teil wird. 

Vielleicht das dritte oder vierte? (musste hier unbedingt doch noch einmal nachhaken 😉 )

Wer weiß? (Büke lacht, Anmerkung.. ) 

Das Buch „Jein“ ist in unserem SanatSever Kunst & Kultur Shop erhältlich!


Büke Schwarz:Jein„, Jaja-Verlag, Berlin, 232 Seiten

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