Im Interview mit dem Maler & Künstler Sadik Uslu

Im Interview mit dem Maler & Künstler Sadik Uslu

Künstler Sadik Uslu, Bild © SanatSever, Franziska Sevik

„Mit innerer Ruhe ist der Schaffungsprozess am größten“

Im Interview mit dem Maler & Künstler Sadik Uslu

SanatSever - Kunstliebhaber

Auf den ersten Blick sieht das helle farbenfrohe Atelier in Berlin-Charlottenburg von Sadik Uslu aus wie eine Bastelwerkstatt. Auf einem riesigen runden Tisch liegen unterschiedliche Pinsel, Stoffe und Scheren, an der Wand angelehnt stehen mehrere Leinwände und auf dem Boden daneben stehen unzählige Farbtöpfe auf dem Boden. Gegenüber, an allen anderen Wänden hängen Bilder mit interessanten Farbgebungen in unterschiedlichen Größen. In einem Interview gibt Herr Uslu einen interessanten Einblick über sich und seine Arbeit.

Herr Uslu, Sie haben einen wunderschönen Platz für Ihre Arbeit gefunden. Aber wo genau befinde ich mich hier, in einem Atelier oder einer Galerie?

Ja, das ist eine tolle Sache, wenn man einen offenen Raum so wie ich hier habe. Es ist nicht das typische Atelier und auch nicht die allgemein bekannte Galerie, sondern eher ein Mix von beidem. Der damalige Anfang war sehr mühsam und schwierig. Aber jetzt kann ich meine Arbeit und die Situation genießen, die ich habe. 

Ich wollte nie in einem versteckten Atelier arbeiten und auch nie die Rolle eines Galeristen übernehmen. Mein Traum war es, einen Raum zu besitzen, der einen Werkstattcharakter besitzt, damit ich auch ab und an Präsentationen geben kann. Das Konzept ist positiv angenommen worden und die Umsetzung funktionierte. Da bin ich schon stolz drauf. 

Ich muss mir also nicht ständig neue Möglichkeiten suchen, um meine Arbeiten zu präsentieren, sondern diejenigen, die meine Arbeit interessiert, kommen einfach zu mir. Das ist toll. Dieser Werkstattcharakter ist für die Menschen nett und interessant. Sie laufen am Fenster vorbei, sehen mich arbeiten und kommen gerne herein, um sich umzusehen. Wäre dies hier ausschließlich eine Galerie, wäre es anders. Die Besucher wären nicht spontan, sondern eher zurückhaltender. 

Sie leben und arbeiten seit fast zwanzig Jahren in Berlin. Wie kam es dazu?

Schon während meiner Studienzeit hatte ich sehr guten Austausch zu anderen Kunst-Studenten. Ich habe an der Mimar Sinan Universität in Istanbul/Türkei mein Kunststudium begonnen, dann dieses an der Universität in Eskisehir/Türkei beendet. Dort kam damals eine Gruppe aus Berlin zu einem längeren Kulturaustausch. Mit Ihnen hatte ich mich angefreundet und Kontakte ausgetauscht. Noch während des Studiums besuchten wir uns gegenseitig immer wieder und so entstanden sehr enge Freundschaften. 

Berlin als Stadt fand ich von Anfang an großartig. Ich war begeistert von dem unheimlich großen Potenzial und der Vielfältigkeit der Stadt. Ich wollte mich von ihr inspirieren lassen, also beschloss ich nach dem Studium nach Berlin zu gehen und habe es bis heute nie bereut. 

„Ein Künstler wird nie an einen Punkt kommen, an dem er sagt, so, ich bin jetzt gut genug.“

Was genau hat Sie denn inspiriert?

Die Stadt Berlin als solche natürlich, aber auch die vielen unterschiedlichen Menschen und unterschiedlichen Künstler. Gerade in der Kunst ist Qualität mehr als wichtig. Egal welche Richtung ein Künstler geht, es zählt immer die Qualität. Und genau diese Vielseitigkeit von Qualität traf ich hier, dies mag ich besonders. So wird es nie langweilig. Man entdeckt immer wieder Neues und wird dadurch ungemein inspiriert und gefordert. Das ist für einen Künstler sehr wichtig und auch notwendig.

Gerade in der Malerei, wenn man intensiv dabeibleiben möchte, wird man nur so immer besser. Ein Künstler wird nie an einen Punkt kommen, an dem er sagt, so, ich bin jetzt gut genug. So etwas gibt es nicht. Ein Bild, ein Werk oder eine Aussage kann immer noch besser werden.

Doch irgendwann erreicht man natürlich seinen eigenen Freiraum, seinen eigenen Schaffungsprozess. Dann lösen sich die Ketten. Und das ist das Schöne daran… denn, wenn man das erreicht hat, dann fängt das eigentliche Abenteuer des Künstlers an. Ein wirklich richtiges Abenteuer, das man nicht mehr stoppen kann, denn man wird immer besser und besser. 

Womit arbeiten Sie am liebsten?

Ich male gerne mit Öl auf Leinwand. Aber ich benutze gerne auch andere Extra`s dazu, wie Erde zum Beispiel. Diese verarbeite ich gerne mit in den Bildern. Wenn ich meine Heimat besuche, bringe ich mir gerne etwas Erde mit. Sie besitzt Geschichte. Wenn ich diese Erde dann in meine Arbeit mit aufnehme, trägt mein Bild ein Teil Geschichte mit. Dieses Gefühl, welches für mich bereits beim Arbeiten entsteht, ist außergewöhnlich. Es bringt einem zum Träumen.

Womit beschäftigen Sie sich als Maler am liebsten?

Während meiner Studienzeit war ich sehr interessiert an Grafik-Arbeiten. Das Interesse am Malen kam erst später. Ich habe gezeichnet, dann auf der Leinwand gearbeitet.

Seit einigen Jahren male ich überwiegend Landschaftsbilder, weil sie mich derzeit am meisten berühren. Ich kann Weite und Raum verdeutlichen, Leuchtkraft erzeugen, Dynamik und Ruhe gleichsam widerspiegeln lassen. Die verschiedenen Jahreszeiten vermitteln unterschiedliche Blickwinkel, unterschiedliche Empfindungen. Es gibt unendliche Farbmöglichkeiten diese genau darzustellen.  

Figuren an den Wänden oder Stadtlandschaften auf Bildern irritieren mich manchmal. Landschaftsmalerei jedoch hat seine ganz eigene Charakteristik. Damit meine ich allerdings nicht die traditionelle Landschaftsmalerei, die wäre für mich nur langweilig. Ich meine Malereien von Landschaften, die mich träumen lassen. Ich male das, was ich mit meinem Gefühlen einfangen habe und in meiner Erinnerung daran noch immer empfinde. So bewege ich mich ständig zwischen Realismus und Abstraktion und das ist etwas, was meine Arbeit für mich täglich auf Neuem sehr interessant macht. 

Was bedeutet für Sie der Beruf als Künstler bzw. Maler? 

Es ist ein toller Beruf! Wenn der eigene Schaffungsprozess gut funktioniert und das Interesse an deinen Darstellungen groß ist, macht es zufrieden und dies wiederum gibt eine große Motivation zurück. 

Als Künstler und Maler habe ich die Möglichkeit, jederzeit aus dem Alltagsgeschehen auszutreten und kann mich zurückziehen in eine Einsamkeit. Eine, die nicht negativ, sondern eher positiv behaftet ist. Damit bleiben meine Gedanken und Gefühle geordnet und das tut mehr als gut. Denn mit einer innerlichen Ruhe, ist der Schaffungsprozess am größten. So entsteht ein in sich wiederholender Kettenprozess. Für jede Person ist das so, ganz gleich mit welcher Tätigkeit sie beschäftigt ist. Einfachkeiten im Leben erleben und ausdrücken zu können und dürfen ist eine wahrhaft schöne Sache. 

Was will man denn da mehr? 

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