Viel mehr als nur Geschichte(n)

Viel mehr als nur Geschichte(n)

Bild © Eva Andrades

Daughters and sons of Gastarbeiters:

Viel mehr als nur Geschichte(n)

Und über Töchter und Söhne wie du und ich

SanatSever - Kunstliebhaber

Beim Thema Richtigkeit und Wahrheit scheiden sich oft die Geister. Tagtäglich erleben wir alle eine dualistische Realität, die jeden und alles bewertet: in richtig oder falsch, schwarz oder weiß und in gut oder böse. Folglich gibt es nur eine objektive Wahrheit, nämlich die unsere. Gnadenlos verurteilen wir unser Gegenüber, meist sogar, ohne sie/ihn näher zu kennen und ohne das „Wieso, weshalb oder warum“ zu hinterfragen. Denn grundsätzlich wissen wir ja ohnehin alles besser und würden es natürlich auch stets anders und viel besser machen. 

Was aber wäre, wenn wir uns ausnahmsweise mal die Zeit nehmen und einmal genauer hinsehen oder zuhören würden? Wenn wir mal wirkliches Interesse am Anderen zeigen und Hintergründe erfragen und Fragen stellen würden? 

Nicht selten würden wir dabei auf Berichte und Erzählungen stoßen, die geprägt haben. Solche, die Weichen gelegt haben für eine bestimmte Richtung, für andere Wege oder auch weitreichende Entscheidungen, ganz egal, ob dabei bewusst wahrgenommen oder unbewusst geprägt. Geschichten, die uns in die Schranken weisen und uns darauf hinweisen, auf unser Gegenüber mehr einzugehen. 

Daughters and Sons of Gastarbeiters

2015 haben Dr. Çiçek Bacik und Ferda Ataman mit dem Autorenkollektiv „Daughters and Sons of Gastarbeitern“ genau für solche autobiografische Erzählungen eine Tür geöffnet. Eine Tür für einen Raum in den man eintreten, lauschen und zuhören kann. In den Lesungen der Autoren erfährt man von Ereignissen und Tatsachen, die nicht nur einst einzelne Personen geprägt, sondern bis heute noch Auswirkungen auf ihre Umgebung, das nähere Umfeld wie Kinder, Verwandte, Freunde und sogar Nachbarn und Kollegen haben. 

„Es sollte eine Plattform entstehen, auf der Menschen jeglicher Herkunft zusammenfinden und Vorbehalte ausgebügelt werden. Eine, auf der die Unterschiede aber auch die Gemeinsamkeiten unterstrichen werden.“ erzählt mir Dr. Çiçek Bacik, die Leiterin des Kollektivs, bei einem gemeinsamen Kaffee. „Es gehört viel Mut dazu, sich dem Erlebten zu stellen, sich mit der Vergangenheit der Eltern, der Großeltern aber auch der Eigenen zu beschäftigen. Genau so mutig ist es aber auch, nur zuzuhören und sich dem Gehörten zu stellen.“

Perspektiven zulassen und Verständnis fördern 

„Wie ist das Interesse und welche Reaktionen gibt es auf die Lesungen?“, frage ich Dr. Çiçek Bacik. „Das Interesse ist sowohl von Deutschen Mitbürgern als auch von Menschen mit Immigrationshintergrund sehr groß. Unsere Lesungen sind stets gut besucht und voll ausgebucht“, antwortet Dr. Çiçek Bacik.

„Jeder Autor liest dabei ausschließlich seine eigenen autobiografische Geschichten, nur so bleiben wir authentisch. Dabei sind die Erzählungen mal lustig, mal traurig und auch mal tragisch. Es geht darum andere Perspektiven zuzulassen und das Verständnis zu fördern. Um uns herum gibt es so viele Sprachen, so viele Düfte und Klänge. Deshalb ist es auch wichtig, dass man sich selbst, aber eben auch den anderen Menschen Platz gibt.“, so Dr. Çiçek Bacik weiter.

Über 60 Lesungen hat das aus 30 Autoren bestehende Kollektiv deutschlandweit bereits durchgeführt. Und das ist doch mehr als ein gutes Anzeichen dafür, das wir mehr von diesen Türen öffnen sollten, um mehr Empathie und Verständnis für unsere Umwelt, unsere Nächsten und Liebsten zu entwickeln. 

Termine Lesungen des Autorenkollektivs Daughters and Sons of Gastarbeiter

Bild z. Verfügung gestellt – Daughters and sons of Gastarbeiters, Bild © Eva Andrades

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