Wenn der Vorhang aufgeht - Auf dem Bild ist das Ensemble des deutsch-türkischen Theater Halber Apfel zu sehen.

Wenn der Vorhang aufgeht – Im Gespräch mit Murat Isboga

Ensemble Theater halber Apfel, Bild © Murat Isboga

Wenn der Vorhang aufgeht, treffen sich zwei Kulturen

…im Gespräch mit Murat Isboga dem Leiter des Theaterensemble Halber Apfel aus Lüdenscheid

SanatSever - Kunstliebhaber

Herr Isboga, Sie sind Autor, Regisseur und Gründer des deutsch-türkischen Ensembles Halber Apfel hier in Lüdenscheid. Seit wann existiert das Ensemble und was waren Ihre Beweggründe der Gründung des Ensembles? 

Ich habe als Kind und Jugendlicher schon Theater geliebt und hatte auch immer schon das Bedürfnis einmal ein Theaterstück zu schreiben. 2005 habe ich dann das Theaterensemble gegründet. Damals als rein türkische Theatergruppe. Im Jahre 2009 haben wir unser erstes deutschsprachige Stück “Stefanie integriert die Öztürks” aufgeführt und uns umfunktioniert in ein deutsch-türkisches Ensemble. Seitdem beschäftigen wir uns unter anderem mit der Interkulturalität in unseren Stücken. 

Wie entstand damals der Name des Ensembles? Warum halber Apfel

Wir hießen am Anfang als türkisches Theater “Yarim Elma Tiyatro”, was auf deutsch “Halber Apfel Theater” heißt. Im Türkischen sagt man „Yarim Elma gönül alma“, was soviel bedeutet wie “mit einem halben Apfel kann man einen Menschen glücklich machen“. Ich fand es mit der direkten Übersetzung auf deutsch sehr sympathisch, somit haben wir es einfach übernommen.

Wie wurde das Theaterensemble, damals nach der Gründung, von dem Publikum angenommen?

In unseren ersten Jahre waren wir ein Amateurtheater und die Zuschauer hatten keine großen Erwartungen. Erst ab 2009 wurden wir professioneller und somit stiegen auch die Erwartungen der Zuschauer. In unseren Stücken üben wir gerne einmal Kritik mit bestimmten kulturellen Gegebenheiten und Denkmustern, egal welcher Nation. Aber wir haben es geschafft, dies mit einer Leichtigkeit und Ironie zu vermitteln, so dass es im Unterbewusstsein der Menschen ankommt. Kritische Stimmen gab es bisher aber keine. Die Zuschauer wissen, dass wir es mit ihnen gut meinen. 
Wir wissen, dass einige mit einem Vorurteil zu unseren Stücken kommen. Manchmal hören und lesen wir das von unseren Zuschauern im Nachhinein, die dann aber gerne zugeben, dass sie so einen tollen Abend nicht erwartet hatten.

Aus wie vielen Mitgliedern besteht das Ensemble?

Wir haben 15 Theaterbegeisterte Schauspieler im Team.

Gibt es eine feste Spielstätte, in der man das Ensemble und ihre Produktionen regelmäßig besuchen kann?

Nein, wir haben keine feste Spielstätte. Wir sind ein reines Gastspieltheater. 

Wie viele Gastspiele gibt das Ensemble und wo treten Sie auf?  

Wir geben in einer Spielzeit ca. 30 Vorstellungen. Diese sind hauptsächlich in Deutschland, in Österreich und der Schweiz. Eingeladen werden wir dabei von Stadthallen, Theaterhäusern, Kulturämtern, Integrationsräten, Schulen oder auch türkischen Vereinen. 

Auf dem Bild zu sehen, ist Murat Isboga. Er ist der künstlerische Leiter des Theaterensembles Halber Apfel.

Murat Isboga – Künstlerische Leiter des Theaterensembles Halber Apfel, Bild © Murat Isboga

In welcher Sprache werden die Produktionen überwiegend präsentiert? 

Wir haben aktuell drei deutschsprachige und eine türkischsprachige Produktion, welche wir, je nach dem was vom Veranstalter erwünscht ist, aufführen.

Welche Art von Theater bedienen Sie sich hauptsächlich in Ihrer Arbeit? 

Unsere Stücke sind hauptsächlich Komödien mit einer Prise Ernsthaftigkeit. In den Stücken ändern wir aber gerne und schnell die Atmosphäre und somit die Stimmung, so dass es schnell ernst und traurig wird und der Zuschauer auch mal eine Träne verlieren darf.  

Welches Publikum sprechen Sie überwiegend an?

Wir sprechen alle an, von Kindern bis Erwachsene in hohem Alter. Es ist immer faszinierend zu sehen, wenn gerade ältere türkische Menschen das erste Mal ins Theater kommen, um unsere Stücke zu sehen und dann ihre Begeisterung mit uns teilen. Von den Nationalitäten her ist es immer schön, wenn wir ein gemischtes Publikum haben. Unser Motto lautet: Wenn der Vorhang aufgeht treffen sich zwei Kulturen.

Szenenbild, Theater Halber Apfel mit der Vorstellung "Stefanie integriert die Öztuerks"

Theater Halber Apfel mit der Vorstellung „Stefanie integriert die Öztuerks“, Bild © Murat Isboga

Gibt es in naher Zukunft eine neue Produktion oder ein größeres Ziel was das Ensemble erreichen möchte?

Für das nächste Jahr planen wir tatsächlich die Premiere von einem neuen deutschsprachigen Stück. Auch hier wird unser Ziel sein, Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen zu bringen. Ein größeres Ziel ist es, ein englischsprachiges Stück zu inszenieren, zu einem global Interesse weckendem Thema, womit wir dann nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch weltweit auftreten werden. 

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